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"Die Gesellschaft macht behindert"

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Was muss ich heute als Spruch lesen:

Ich bin nicht behindert; die Behinderung ist die Gesellschaft die uns Steine in den Weg legt.

Klingt auf den ersten Blick ganz nett und fromm. Und ich kann mich noch an eine weit zurück liegende Talkshow erinnern, in der ein ähnlicher Spruch zu einem tosenden Applaus des Publikums führte. Es ist genau die Sorte von dämlichem Spruch, die man in einer der zwei möglichen, gesellschaftlich akzeptierten Rollen als Behinderter drauf haben muss - die Rolle des Tapferen Helden. Damit hat man eigentlich schon verloren, weil man sich in ein Schema hat pressen lassen und die restlichen Menschen können zufrieden sein, weil das Thema geordnet abgehakt wurde ("er ist ja gar nicht richtig behindert, also wo liegt das Problem?") und man wieder zum Tagesgeschäft übergehen kann.

Die Behauptung kann letzlich recht einfach widerlegt werden. Wenn es die Gesellschaft ist, die behindert, so müsste folgerichtig die Behinderung verschwinden, bzw. irrelevant werden, wenn wir die Gesellschaft aus der Gleichung entfernen. Ein fehlgeschlagenes Experiment der Grundlagenforschung später hat sich die gesamte Menschheit in Luft aufgelöst, übrig geblieben ist derjenige, der zuvor als "behindert" galt. Hat sich etwas an seinem Zustand geändert? Der Blinde sieht immer noch nichts, der Taube hört nichts, der Rollstuhlfahrer kann immer noch nicht gehen. Zusätzlich dazu befindet er sich jetzt in einer rapide menschenfeindlich werdenden Umgebung, in der bereits ein gesunder Westeuropäer schnell vor nicht unerheblichen Schwierigkeiten stehen dürfte. Persönlich räume ich dem Gehörlosen die besten Chancen ein, die beiden anderen dürften das Ende der menschlichen Spezies nur unwesentlich hinauszögern.

Klartext: die Gesellschaft ist für Behinderte ab einem bestimmten Grad eine Überlebensbedingung. Hört sich nicht nett an, ist aber so. So gesehen kann ich mir nicht das Wortspiel verkneifen, dass die Gesellschaft enthindert; denn bedeutet die Querschnittslähmung für den einzelnen Menschen den sicheren Tod, kann man als Behinderter innerhalb der Gesellschaft weiter existieren, wenn sie Hilfsmittel zur Verfügung stellt. Nicht nur das - als Behinderter kann man womöglich seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten, da es in einer fortgeschrittenen Gesellschaft wie der unsrigen genug Aufgaben gibt, die keinen völlig funktionierenden Körper erfordern.

Alles in allem räumt die westliche Gesellschaft im Falle von Behinderten also mehr Steine weg, als sie in den Weg legt.

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